Bayerischer Landesverband der Marktkaufleute und der Schausteller e.V.

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Die Nöte hinter den bunten Fassaden . OWZ - Die Wochenzeitung – Oberpfalznetz
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25.01.2012 | Netzcode: 3116779 | 50 Mal gelesen.
Die Nöte hinter den bunten Fassaden
Schausteller-Tagung mit Wirtschaftsminister Martin Zeil

AMBERG/WEIDEN. Fröhliche Zuckerwatte-Verkäufer, wortgewaltige Fischhändler oder betörende Damen mit südländischem Akzent im Karussell-Häusl: Das Leben der Schausteller scheint ein immerwährend fröhliches zu sein.
"Hinter den bunten Fassaden sieht es gar nicht so rosig aus", stellte Wenzel Bradac fest, der Vorsitzende des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und der Schausteller.

Er hielt heuer seine Delegiertenversammlung in der Weidener Max-Reger-Halle ab. Ausgerichtet hatte das Jahrestreffen in der vergangenen Woche die Verbands- Bezirksstelle Weiden-Amberg. Nach einer Präsidiumssitzung in Amberg am Dienstagvormittag setzte man das Programm in Weiden bis Donnerstagnachmittag fort. Zur "Großkundgebung" am Mittwochnachmittag war auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) gekommen.

Die Reisegewerbetreibenden, so ihre Sammelbezeichnung, haben heute mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, wie Bradac erläuterte. So die Betreiber von Fahrgeschäften: Volksfeste konkurrierten heute mit den riesigen Freizeitparks. "Riesenräder mit 60 Metern Durchmesser für mehrere Millionen Euro" würden deshalb auch auf dem Jahrmarkt erwartet. Dazu kämen Sicherheits-Konzepte, die nach der Katastrophe auf der Duisburger Love-Parade vorgeschrieben worden seien. "Vollkommen übertrieben", findet Bradac, denn "ein Volksfest ist ja nach allen Seiten hin offen".

Von "enormen Umsatz-Rückgängen" seien die Marktkaufleute betroffen. Billigangebote machten ihnen zu schaffen. Viele würden gerne fahrende Gastronomie anbieten, müssten dann aber jedes mal eine "ortsgebundene Gestattung" bezahlen.
Bradac fordert hier eine Gleichstellung mit den ortsansässigen Gastronomen. Auch müssten die Marktkaufleute von dem Sonntagsfahrverbot befreit werden, wie dies längst bei Jahrmarkt-Schaustellern der Fall sei. Mit ihren Kleinlastern dürften die Marktkaufleute nämlich keinen "auch noch so kleinen Anhänger" mitführen.

Die Obsthändler seien im vergangenen Jahr durch die EHEC-Krise "schwer erschüttert" worden. "Tonnenweise wurde einwandfreie Ware vernichtet." Es habe am Krisenmanagement gefehlt. Weiterhin hätten die Obsthändler keinerlei Entschädigung bekommen. "Die Landwirte dagegen wurden bedacht", ärgert sich Bradac und fordert eine Gleichstellung der Obsthändler mit den Landwirten.

Die Werbeverkäufer gar seien akut "vom Aussterben bedroht". Der klassische Gurkenhobel-Anbieter werde durch Billigangebote in den Werbesendern verdrängt. Dabei seien gerade die Werbeverkäufer die "Farbtöpfe auf jedem Jahrmarkt" und müssten über viel "schauspielerisches und rhetorisches Können" verfügen. Alle Reisegewerbetreibenden

litten unter der Feinstaubregelung der Großstädte. Eine Nachrüstung mit einem Rußpartikelfilter sei bei den Fahrzeugen oft nicht möglich.

Wirtschaftsminister Martin Zeil versicherte, sein Möglichstes für die Branche zu tun. "Ich war sehr lange Zweiter Bürgermeister", zeigte er Verständnis und fand, dass es "nicht Regelungen für alles und jenes" geben müsse. Bei den Sicherheitskonzepten zum Beispiel solle man eine "flexible Verwaltungspraxis" anwenden. Mittelstandsfreundlich auch seine Forderung: "Der Staat hat sich aus der Lohnfindung herauszuhalten", einen Mindestlohn lehne er strikt ab.
Der Weidener Bürgermeister Jens Meyer versprach in seinem Grußwort den Schaustellern, die "ein Bestandteil bayerischer Kultur" seien, dass es in Weiden auch künftig einen Volksfestplatz geben werde. "Es wird weitergehen."

Harald Mohr

Quelle: http://www.oberpfalznetz.de/owz/3116779-132-die_noete_hinter_den_bunten_fassaden,1,0.html

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